Eine Busfahrt die ist lustig…

Heute habe ich das erste Mal einen dieser kleinen rumpeligen VW-Busse für eine Fahrt zwischen Huanchaco und Trujillo genutzt und möchte zunächst die Gelegenheit nutzen, um diese Erfahrung wie folgt zusammen fassen: Oh. Mein. Gott. o_O

Diese Busse sind quasi das reale Äquivalent zu der Zirkusnummer „Wieviel Clowns passen in ein Auto“. Im Internet findet man dazu sogar wissenschaftliche Erhebungen inklusive aufgestellter Weltrekorde. (http://www.caranddriver.com/features/the-physics-of-clown-cars-feature) In Deutschland hingegen sind in VW-Bussen 9 Personen inklusive Fahrer zugelassen. Auf der Rückfahrt von Trujillo befanden sich 25 Menschen in dem Fahrzeug, exklusive Fahrer. Getreu dem Motto: „Platz ist in der kleinsten Lücke“ wird alles ins Auto gestopft, was zahlungsfähig ist. Mit leicht angewinkelten Knien, schief gelegtem Kopf und krummem Rücken finde ich mich direkt an der Tür in den Armen eines jungen Peruaners wieder, der es trotz seiner Größe irgendwie geschafft hat Kopf, Hals und Rücken der Rundung des Autodachs anzupassen. Würde man uns beide in diesem Moment vom Inneren des Busses in eine andere Umgebung versetzen, wir gäben eine perfekte Kopie von Gustav Klimts „Der Kuss“ ab. Halb zog Sie ihn, halb sank er hin. Ihr kennt das. In der Realität dagegen, versuchen wir beide mit schwindender Muskelkraft nicht ständig mit den Köpfen zusammen zu knallen. Währenddessen reißt der Busbegleiter immer mal wieder bei voller Fahrt die Tür auf, brüllt wildfremde Leute auf der Straße an und erwähnt sozusagen im Vorbeifahren die Fahrtrichtung. Ein wenig Animation für potentielle Fahrgäste kann ja nie schaden. Und weil das mal eben so im Vorbeifahren gemacht wird, kann es passieren, dass der Halt ab und zu* (*immer) sehr abrupt ist. Einen Moment nicht aufgepasst und *pock* – wir sind doch mit den Köpfen zusammengestoßen. Mein neuer Freund schnauft ergeben, der Busbegleiter lacht meckernd. Dieser ist letztlich auch die Person, die alles, außer Gaspedal und Bremse, unter Kontrolle hat. (Bei der Bremse bin ich mir auch beim Fahrer nicht so ganz sicher. Aber das nur am Rande.) Er brüllt Fahrtrichtungen, scheucht sowohl einsteigende als auch aussteigende Fahrgäste und kassiert ab. Freundlicherweise behält er außerdem die Straße im Auge. Dankenswerterweise besonders dann, wenn von rechts riesige, vollbeladene LKW heranrasen. Er ist auch derjenige, dem man Bescheid gibt, wenn man aussteigen will, denn konkrete Haltestellen gibt es hier nicht. Zumindest keine, die meinem europäisch-getrübten Blick erkenntlich wären. Es gibt nur eine Strecke, die abgefahren wird. Busse und Taxis machen durch Hupen und besagtes Brüllen auf sich aufmerksam und werden durch ein Handwedeln zum Anhalten bewegt. Hoffen wir also, dass ich immer in den richtigen Bus ein- und an der richtigen Stelle aussteige. Da ich in der Lage bin diesen Text zu schreiben, habe ich es zumindest einmal geschafft und stehe nirgendwo weinend in der Einsamkeit. Ihr seht, das peruanische System der öffentlichen Verkehrsmittel ist und bleibt faszinierend und zur gleichen Zeit völlig undurchsichtig für mich. Aber wie sagt der Kölner so schön: „Et hätt noch immer jot jejange.“

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